Spooky Periods/Fremdelphasen

Ähnlich wie beim Menschenkind gibt es bei den Welpen und Junghunden beim Heranwachsen so genannte Fremdelphasen, die Spooky Periods.

In dieser Zeit reagiert der Hund ängstlich und zurückhaltend auf neue Reize aber auch bereits Bekanntes wird erneut bewertet.

Vielleicht haben Sie schon erlebt wie die große schwarze Tonne, welche Sie und Ihr Hund täglich bei der Gassirunde sehen und die bisher nie ein Problem war, plötzlich das gefährlichste Ding auf diesem Planeten zu sein scheint. Und auch der blaue Regenschirm der Spaziergängerin ist plötzlich eine akute Gefahr und muss unbedingt mit Warnwuffen kommentiert werden.

Falls Ihnen das bekannt vorkommt: Willkommen in der Spooky Period – oder auch Fremdelphasen genannt

Es gibt 4 Fremdelphasen, die vermutlich 5. Phase wird gerade „entdeckt“ und erforscht. Die Fremdelphasen dauern jeweils 1 bzw. 2-3 Wochen an.

Erfahrungen, die in dieser Zeit gemacht werden, werden besonders intensiv erlebt und entsprechend stabil gespeichert (auch die schlechten Erfahrungen). Es sind noch einmal prägungsähnliche Lernvorgänge.

Je nach Rasse und Größe des Hundes können folgende Zeitfenster genannt werden:

1. Phase: In der 8. Lebenswoche (alle Rassen – Dauer ca. 1 Woche)
2. Phase: mit 4, 5 Monaten oder später (bei spätreifenden Rassen oder auch wenn der Hund insgesamt in seiner Entwicklung hinterherhinkt – Dauer ca. 3 Wochen))
3. Phase: mit ca. 9 Monaten oder später (bei spätreifenden Rassen oder auch wenn der Hund insgesamt in seiner Entwicklung hinterherhinkt – Dauer ca. 3 Wochen). ACHTUNG: Geschlechtsreife und Erwachen des Jagdinstinktes ebenfalls in dieser Phase
4. Phase: mit ca. 12-18 Monaten (bei spätreifenden Rassen oder auch wenn der Hund insgesamt in seiner Entwicklung hinterherhinkt; Dauer ca. 3 Wochen)
5. Phase: mit ca. 2-2.5 Jahren (bei spätreifenden Rassen oder auch wenn der Hund insgesamt in seiner Entwicklung hinterherhinkt – Dauer ca. 3 Wochen)

Achtung:
Die 3. Phase fällt meist mit der Entwicklung der Geschlechtsreife und dem Erwachen des Jagdinstinkts zusammen und stellt für viele Hundebesitzer eine besonders große Herausforderung dar! Sie wird auch „sensible Phase“ genannt.

Wie machen sich die Spooky Periods bemerkbar?

In diesen Spooky Periods ist der Hund:

  • insgesamt ängstlicher
  • Neuem wenig aufgeschlossen
  • deutlich schreckhafter
  • auch bereits Bekanntes und Geübtes wird neu bewertet

Wichtig!

Schlechte Erlebnisse und Erfahrungen währende der Spooky Periods machen sich meistens erst in der darauf folgenden Spooky Period bemerkbar, z.B. wenn ein Welpe beim Züchter während der ersten Spooky Period zu viel Besuchertrubel hatte, wird er möglicherweise in der zweiten Spooky Perios mit übertriebener Ängstlichkeit oder Aggression reagieren. Bei solchen oder ähnlichen Problemen wäre es gut, wenn der Züchter bereitwillig Auskunft über etwaige Vorfälle geben könnte, damit gezielt daran gearbeitet werden kann.

Wie soll man sich nun während dieser Phasen verhalten?

SPARSAM MIT NEUEN REIZEN SEIN
Da alles Neue für den Hund mehr Probleme macht, sollten in diesen Phasen möglichst keine neuen Reizen dazukommen.

KEIN AUFHEBENS MACHEN
Es darf andererseits aber auch nicht zu viel Aufhebens um die ganze Sache gemacht werden. Der Hund soll in seiner Ängstlichkeit weder besonders bedauert werden, noch soll auf ihn irgendeine Form von Druck ausgeübt werden.

UNTERSUCHEN LASSEN
Der Hund soll die Möglichkeit haben, sich ruhig mit dem Reiz auseinanderzusetzen.

ZEIT GEBEN
Der Hund benötigt ausreichend Zeit, um sich damit auseinander zusetzen und darf nicht bedrängt werden.

DO AS I DO – VORMACHEN
Man kann dem Hund zeigen, wie ungefährlich eine Sache ist (ohne großes Aufhebens – am besten das „Unheimliche“ wortlos berühren und vormachen, dass eine Untersuchung keine Gefahr darstellt).

CHECK YOURSELF – TESTEN LASSEN
Der Hund muss Zeit bekommen es selbst auszuprobieren.

Für Züchter und künftige Welpenbesitzer bedeutet dies, dass der Welpe keinesfalls in der 8. Woche vom Züchter abgeholt werden sollte, da er sich dann genau in der ersten Fremdelphase befindet und schon allein dadurch großen Stress hat. Dann auch noch von den Geschwistern und der Mutter bzw. der vertrauten Umgebung wegzukommen ist natürlich ein großer Schock.

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